Tagesschau.de  19.06.2007


 
Erfolgreicher Kampf gegen Mohnanbau in Afghanistan
 
Kampf gegen Opiumhandel im afghanischen Balkh "Mazar-i-Scharif"
 

Afghanistan ist noch immer der weltweit größte Exporteur von Opium. In der Provinz Balkh, wo auch die Bundeswehr stationiert ist,geht die Regierung jetzt massiv gegen den Anbau von Mohn vor - mit Erfolg. In diesem Jahr legt die Provinzregierung erstmals eineNullbilanz vor. Wie lange die Bauern hier Weizen statt Mohn anbauen, ist allerdings eine Frage des Geldes.

Von Kai Küstner, ARD-Hörfunkstudio Südasien, z. Zt. Kabul

Wenn man so will, ließe sich Ghulam Hussein durchaus als Vorzeigefarmer bezeichnen. Auf seinem Feld, sagt er, steht nämlich in diesem Jahr nicht eine einzige Schlafmohnpflanze: "Ich habe in diesem Jahr keinen Mohn angebaut. Die Regierung hat versprochen, uns zu helfen. Deshalb habe ich das auch gemacht. Im vergangenen Jahr habe ich noch Mohn angebaut, einen Teil davon hat die Regierung zerstört." Ghulam Hussein lebt in der afghanischen Provinz Balkh, der Region um Masar-i-Scharif im Norden des Landes. Genau dort, wo auch die Bundeswehr mit ihrem großen Feldlager und den Tornados vertreten ist.

Mohnanbau auf Null herunter gefahren

Farhad Munir, Sprecher des Gouverneurs der Provinz Balkh erläutert: "Wir haben es geschafft, den Opiumanbau in Balkh auf Null herunterzufahren. Es gab zwar einige, die kleine Felder mit Mohn bestellten, aber die haben wir mit unseren Teams zerstören können. Der Hauptgrund ist, dass wir die Leute rechtzeitig gewarnt haben, kein Opium anzubauen. Wir können also sagen, dass in Balkh in diesem Jahr kein Opium angebaut wird."

Auch die UN-Drogenbehörde UNODC bestätigt, dass Balkh aller Voraussicht nach in diesem Jahr frei von Schlafmohn bleiben wird. Wenn man so will, hat die Regierung dort mit einer Mischung aus Zuckerbrot- und Peitschenpolitik den Anbau im Keim erstickt. So sieht es auch Christina Oguz von UNODC in Kabul: "In Balhk gibt es eine starke Provinzregierung. Das Erfolgsrezept ist eine Mischung aus Hoffnung auf wirtschaftliche Hilfe für die Farmer und einem starken Gouverneur."

Trotzdem weltweit größter Opium-Exporteur

In Balkh hat die Regierung den Farmern versprochen, mit Weizen und anderem Saatgut zu helfen. Nur leider funktioniert diese Politik in anderen Teilen Afghanistans keineswegs, dort wächst Opium besser denn je. Auch wenn die Regierung dem Drogenanbau den Krieg erklärt hat, ist Afghanistan seit Jahren der weltweit größte Opium-Exporteur, sagt Christina Oguz von von UNODC : "Afghanistan ist definitiv und mit weitem Abstand die Nummer 1, es hat beinahe eine Monopolstellung. Vergangenes Jahr besagte unsere Schätzung, dass über 90 Prozent des Opiums in diesem Land produziert wird. Wir wissen zwar noch nicht genau, was in diesem Jahr passiert, aber die Zahl wird vermutlich mindestens genauso hoch sein."

Weizenähre kann mit Mohnpflanze nicht mithalten

Auch die Zahl der opium- oder heroinabhängigen Afghanen nimmt Studien zufolge beständig zu: Je prekärer die Sicherheitslage im Land, um so stärker sei die Nachfrage nach Opium, heißt es dort. Diese Regel dürfte ohne Zweifel zutreffen. Selbst wenn es in südlichen Provinzen Bauern gäbe, die zum Ausstieg bereit wären - ein vorgehaltenes Gewehr eines Drogenbosses macht diese Gedanke dann wieder schnell zunichte. Anders ist das im Norden und im Fall von Farmer Sayfullah Khan, wo die Regierung aktiv gegen den Opiumanbau vorgeht: "Die Regierung hat uns gewarnt, kein Opium anzubauen. Ich habe deshalb Weizen genommen. Ich hoffe aber, dass ich damit genug Geld verdienen kann. Sonst werde ich nächstes Jahr wieder Opium anbauen."

Natürlich kann eine Weizenähre mit einer Mohnpflanze nicht im entferntesten mithalten, was den Preis angeht. Wenn sich für einen afghanischen Bauer die Frage stellt, am Hungertuch nagen mit Getreide oder ganz gut leben mit Opium - dann überlegt er natürlich nicht lange.

Quelle: tagesschau.de

Quelle

 


back

top

home